Aktuelle Habilitationen

unter Leitung von Herrn Prof. Dr. Bahlcke in der Abteilung Frühe Neuzeit

Das Projekt untersucht wirtschaftliche und kulturelle Räume des mitteleuropäischen Buchhandels: Die erhöhte Konkurrenz in den großen buchgewerblichen Zentren des Heiligen Römischen Reich wie Augsburg, Leipzig und Nürnberg bedingte mit, dass viele Verleger über familiäre Netzwerke in den Aufbau langfristiger Fernhandelsbeziehungen investierten. Insbesondere süddeutsche Händler richteten ihr Angebot auf die Absatzmärkte in den österreichischen und böhmischen Ländern aus, wobei der Handel nach Wien und Prag im Vordergrund stand. Die Rolle der überwiegend protestantischen Buchhändler wird auch im Hinblick auf konfessionelle Faktoren in den Blick genommen. Analysiert wird die Durchsetzungsfähigkeit von Zensurbestimmungen, Druckprivilegien und merkantilistischen Maßnahmen. Ferner wird gezeigt, wie durch Einheirat in etablierte Familien der Buchbranche eine erfolgreiche Integration in den städtischen Handel gelingen konnte.

Mit Blick auf das Angebot wird deutlich, wie italienische, französische, niederländische oder englische Buchimporte über diese Fernhandelsnetzwerke kanalisiert – oder in Übersetzung selbst verlegt wurden. Gleichermaßen waren süddeutsche Firmen äußerst erfolgreich im Nachdruck für die Buchmärkte der Habsburgermonarchie. Als profitable Genres des Buchmarkts tritt der hohe Stellenwert des religiösen Schrifttums hervor. Es wird schließlich gezeigt, dass der entstehende Großbuchhandel mit erheblichen ökonomischen Risiken wie Fehlkalkulationen von Auflagen, alternden Sortimentsbeständen und häufigen Konkursgeschäften verbunden war. Liegt der Forschungsfokus bislang auf dem Aufklärungsbuchmarkt und Leipziger Messhandel, erfolgt in dem Projekt auch eine Neubewertung von Einflussbereichen des Buchhandels und der Konstituierung von regionalübergreifenden Wissensräumen um 1700.

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