Aktuelle Habilitationen

in der Abteilung Frühe Neuzeit

Aktuelle Habitilationsvorhaben bei Univ.-Prof. Dr. Joachim Bahlcke

Dr. Mona Garloff

Kommerz und Glaube - Nürnberger, Augsburger und Leipziger Buchhändler in der Habsburgermonarchie 1680-1750

Das Habilitationsprojekt untersucht die wirtschaftlichen und kulturellen Räume des Buchhandels in Mitteleuropa zwischen 1680 und 1750. Der Fokus liegt auf den Handelsbeziehungen und Netzwerken, die Großbuchhändler aus Nürnberg, Augsburg und Leipzig in den österreichischen und böhmischen Ländern (insbesondere in Wien und Prag) aufbauten. Es wird nach der Bedeutung konfessioneller Zugehörigkeiten im Buchhandel dieser Räume gefragt: Mehrheitlich waren solche Händler Protestanten und waren aufgrund ihrer Konfession territorial unterschiedlichen Handelsbeschränkungen ausgesetzt. Das Projekt untersucht die Durchsetzungsfähigkeit von Regulierungsversuchen wie Zensur, Druckprivilegien oder merkantilistischen Maßnahmen.

Im Mittelpunkt des Projekts steht die Herausbildung des Großverlags seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert: Die erhöhte Konkurrenz in buchgewerblichen Zentren wie Augsburg, Leipzig und Nürnberg bedingte mit, dass viele Verleger über familiäre Netzwerke in den Aufbau längerfristiger Fernhandelsbeziehungen investierten. Praktiken des Großhandels wie die weitverzweigte Distribution über städtische Märkte oder Filialen, geschäftliche Beziehungen zwischen Buchhändlern und gelehrten Kunden, die Organisation der Lagerbestände sowie Buchwerbung in Sortimentskatalogen und Zeitungsannoncen werden in den Blick genommen. Hinsichtlich der profitablen Genres des Buchmarkts wird der hohe Stellenwert des religiösen Schrifttums (Gebets- und Erbauungsbücher, Predigsammlungen) deutlich. Es wird schließlich gezeigt, dass der entstehende Großbuchhandel um 1700 mit erheblichen ökonomischen Risiken wie Fehlkalkulationen von Auflagen, alternden Sortimentsbeständen und häufigen Konkursgeschäften verbunden war.

Dr. Karen Lambrecht

Kommunikation und Kulturtransfer - der katholische Schulreformer Johann Ignaz von Felbiger

Johann Ignaz von Felbiger (1724-1788), Abt des Augustiner-Chorherren-Stiftes zu Sagan, gilt vor allem als einer der bedeutenden Pädagogen und Schulreformer seines Jahrhunderts. Nach zehnjährigem Wirken im preußischen Schlesien übernahm der Saganer Abt 1774 auf Bitten Maria Theresias die Leitung des deutschen Schulwesens im habsburgischen Vielvölkerstaat, der nach Aufhebung des Jesuitenordens vor zahlreichen ungelösten bildungspolitischen Problemen stand. Die Funktion Johann Ignaz von Felbigers als Vermittler kultureller Innovationen vor allem nach Ostmitteleuropa sowie die Untersuchung seines - auch naturwissenschaftlichen -Briefwechsels unter dem Aspekt von Kommunikationsstrukturen ist ein noch offenes Forschungsfeld. Es vermag neue Erkenntnisse zur Kultur- und Geistesgeschichte der Aufklärung in Mitteleuropa beizusteuern, da ihr Ansatz besonders den eventuell staatlich gelenkten kulturellen Austausch zwischen verschiedenen Gruppen und die sich entwickelnde Interaktion im Blick hat. Somit bietet sich gerade für Mitteleuropa die Chance, jenseits der nationalen Geschichtsschreibung periphere Regionen in einem Wechselspiel von Eigenständigkeit und Innovation zu begreifen.

 

Sekretariat Abteilung Frühe Neuzeit

Keplerstraße 17, 70174 Stuttgart, Kollegiengebäude II (K II), Stockwerk 8b, Dienstzimmer 8.042