Polytechnische Schule Stuttgart. Stich v. H. Wieland um 1896 nach Zeichnung v. Nik. Fr. v. Thouret um 1860.

Abt. Landesgeschichte

Geschichte der Abteilung Landesgeschichte

Polytechnische Schule Stuttgart, ehem. Offizierspavillon (Stich von H. Wieland um 1896 nach Nik. Fr. v. Thouret).
[Foto: free]

Polytechnische Schule in Stuttgart (um 1870). (c) Archiv der Universität Stuttgart
Ansicht der Polytechnischen Schule in Stuttgart (um 1870).

Kurze Geschichte der Abteilung Landesgeschichte

Hier finden Sie in Kürze eine Darstellung der Geschichte der Abteilung Landesgeschichte.

Bis dahin verweisen wir auf die nachfolgende ...

Geschichte des Historischen Instituts der Universität Stuttgart

von Sabine Holtz und Jürgen M. Schmidt. Stuttgart 2019.

Der von der Universität Stuttgart erfolgreich eingeschlagene „Stuttgarter Weg“ steht für eine Integration der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften und der Ingenieur- und Naturwissenschaften „auf der Grundlage disziplinärer Spitzenforschung“. Dass das Historische Institut dazu einen wichtigen Beitrag leistet, ist freilich keine neuere Entwicklung, sondern hat alte Wurzeln. Das Fach Geschichte hat in Stuttgart eine lange Tradition. Obwohl schon immer eine führende technisch orientierte Hochschule in Deutschland, hat die 1829 als „Vereinigte Kunst-, Real- und Gewerbeschule“ gegründete Universität Stuttgart von Anfang an die Geisteswissenschaften in ihren Lehrbetrieb aufgenommen. Damit erlangte – in verschiedenen Kontexten und von sehr unterschiedlichen Dozenten vertreten –, auch das Fach Geschichte eine dauerhafte Präsenz.

Als eigenes Fach konnte man Geschichte zunächst noch nicht studieren. Und es gab bis zur Universitätswerdung in den 1960er Jahren keine auf Dauer gestellte „ordentliche“ historische Professur. Aber die Überzeugung, den Zugang zur Gegenwart auch geschichtswissenschaftlich fundieren zu müssen, war offensichtlich von Anfang an vorhanden. Von den Vertretern der Geschichte in Stuttgart in dieser ersten Phase sind im Bewusstsein der breiteren Öffentlichkeit bis heute insbesondere der frühe Bauernkriegsforscher Wilhelm Zimmermann geblieben und Bundespräsident Theodor Heuss. Letzterer hat im Rahmen einer politisch orientierten Honorarprofessur um 1947 in Stuttgart auch Geschichte gelehrt, und sein Einsatz besitzt eine hohe Symbolkraft für den Neuanfang nach dem Kriege. Die Geschichtswissenschaft im engeren Sinne hat er allerdings noch nicht repräsentiert. Bei einer anderen Verzahnung der Fächer Geschichte und Politik in Stuttgart sieht das schon etwas anders aus: Golo Mann, der 1960 ein Ordinariat für Wissenschaftliche Politik erhielt, war durchaus Historiker mit umfangreichem Ouevre. Auf die erste „echte“ Geschichtsprofessur freilich, die die Grundlage des späteren Historischen Instituts bilden sollte, wurde nur wenige Wochen nach Golo Mann August Nitschke berufen.

In den 1960er und 1970er Jahren setzte die 1967 zur Universität erhobene Technische Hochschule konsequent neue Schwerpunkte in den Natur- und Geisteswissenschaften. Damit nahm Stuttgart frühzeitig an der damaligen Aufbruch- und Reformbewegung des deutschen Hochschulwesens teil. Die Fachveranstaltungen in Geschichte wurden anfangs im Bereich des Studium Generale angesiedelt. In diesem Zusammenhang sollten sie unter anderem auch die sehr pragmatische Aufgabe übernehmen, angehenden Ingenieuren, die es nach Übersee zog, historisches Hintergrundwissen zur außereuropäischen Geschichte zu vermitteln. Auch wenn dieser spezielle Zusatzauftrag später entfiel, wurde der Ausbau eines Historischen Instituts als Forschungsstätte und die Einführung der ersten geschichtswissenschaftlichen Studiengänge konsequent weiterverfolgt. Dies bot sich nahezu von selbst an, macht doch bis heute die in Baden-Württemberg einmalige Verbindung zur Musikhochschule und zur Staatlichen Akademie der Bildenden Künste die Stadt Stuttgart als Studienort für angehende Gymnasiallehrer überaus attraktiv.

Mit der Schaffung neuer Professuren und Ratsstellen, von denen schließlich die meisten zu eigenständigen Abteilungen des Historischen Instituts ausgebaut wurden, fokussierte sich der epochenübergreifende Auftrag August Nitschkes wieder auf das Mittelalter (und die Historische Verhaltensforschung). Seine Nachfolger als Abteilungsleiter der Mittleren Geschichte wurden 1994 Folker Reichert und 2014 Mark Mersiowsky.

Demgegenüber lag seit 1967 die Verantwortung für die Neuere Geschichte in den Händen von Eberhard Jäckel, der sie 1999 an Wolfram Pyta übergab.

1970/1978 folgte als drittes klassisches Standbein der Geschichtswissenschaft die Etablierung der Alten Geschichte, zunächst von Eckart Olshausen vertreten und seit 2008 von Peter Scholz.

Die vierte (weitaus jüngere) epochenorientierte Teildisziplin der Frühen Neuzeit kam 1977 hinzu. Auf Volker Sellin folgten hier als Abteilungsleiter 1981 Norbert Conrads, der einen besonderen Projektbereich zur Schlesischen Geschichte an die Abteilung angliederte, und 2003 Joachim Bahlcke.

Im Verbund mit zwei weiteren, heute nicht mehr wiederbesetzten Lehrstühlen, dem Lehrstuhl für Überseegeschichte (Johannes Voigt 1973-1995) und dem Lehrstuhl für Historische Hilfswissenschaften (Wolfgang Stürner 1974-2006), war die Geschichtswissenschaft in Stuttgart Ende der 1970er Jahre hervorragend etabliert.

1984 vervollständigte die Abteilung für Landesgeschichte das Spektrum, deren erster Lehrstuhlinhaber Otto Borst war. Ihm folgten 1990 Franz Quarthal und 2012 Sabine Holtz.

Das besondere Profil des Stuttgarter Historischen Instituts beruhte allerdings zu diesem Zeitpunkt schon lange nicht mehr nur auf den klassischen Teildisziplinen der Geschichtswissenschaft. Bereits seit 1968 bildete unter Armin Hermann die Geschichte der Naturwissenschaften und der Technik ein zweites Standbein des Instituts und ein eigenes Fach, das eigene Studiengänge hervorbrachte. Die 2001-2003 von Moritz Epple und seit 2006 von Klaus Hentschel geleitete GNT trug einerseits der technischen Orientierung der Universität in besonderem Maße Rechnung, war zugleich aber der erste Lehrstuhl dieser Art in Deutschland, der bei den Geisteswissenschaften angesiedelt wurde. Insbesondere August Nitschke hatte für diesen integrativen Ansatz gekämpft. Eine zweite institutionelle Heimat besitzt das Fach Geschichte der Naturwissenschaften und der Technik seit 2011/12 in der von Reinhold Bauer geleiteten und von der Berthold Leibinger Stiftung finanzierten Professur für die Wirkungsgeschichte der Technik. Sie bildet nun die siebte Abteilung des Historischen Instituts.

Zum Profil des Historischen Instituts im Schnittpunktbereich Geschichte, Kultur und Technik passt schließlich hervorragend die neue und achte Abteilung für Unternehmensgeschichte, die 2019 dank der Unterstützung der Ferry-Porsche-Stiftung eingerichtet werden kann.

Wiederum eher an die die Tradition der Überseegeschichte knüpft Margret Frenz seit 2018 mit ihrer am Institut angelagerten Heisenberg-Stelle (DFG) an: „Globalisierung von unten: Zirkuläre Migration zwischen Südasien und Afrika, ca. 1850-2000“.

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