Lehrveranstaltungen der Abteilung WGT

Alle aktuellen Lehrveranstaltungen der WGT im Überblick

Lehrveranstaltungen der Abteilung WGT im Wintersemester 2019/20.

Dozent: Prof. Dr. Reinhold Bauer

Termin: Donnerstag; 09:45-11:15 / M 11.71 / ab dem 17.10.2019; wöchentlich

Inhalt: In den letzten zwei Jahrzehnten hat sich der Begriff der „Globalisierung“ zu einem regelrechten Modewort entwickelt. Meist im Sinne einer Gegenwartsdiagnose wird unter Globalisierung dabei die rasche Zunahme der transnationalen Verflechtung insbesondere im wirtschaftlichen, aber auch im politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Bereich verstanden. Als wesentliche Ursache dieses Prozesses der Verdichtung, Ausweitung und Beschleunigung globaler Beziehungen gilt dabei der sog. „Technische Fortschritt“ insbesondere in den Kommunikations- und Transporttechnologien. Der Prozess der Herausbildung und weiteren Integration einer weltumspannenden wirtschaftlichen und informationellen Verflechtung wurzelt allerdings de facto bereits in der europäischen Expansion seit dem 15. Jahrhundert. In der Vorlesung soll nun insbesondere eine erste Phase der raschen Ausweitung globaler Menschen-, Waren- und Informationsströme in den Blick genommen werden, nämlich die Zeit der beginnenden Industrialisierung im 19. Jahrhundert. Der Schwerpunkt wird dabei auf der Untersuchung der „materiellen Basis“ dieser beschleunigten Globalisierung liegen, also auf den entstehenden neuen technischen Verkehrs-und Kommunikationsnetzen.

Literatur:

Osterhammel, Jürgen; Petersson, Niels P.: Geschichte der Globalisierung. Dimensionen, Prozesse, Epochen, München 2007.

Wendt, Reinhard: Vom Kolonialismus zur Globalisierung. Europa und die Welt seit 1500, Paderborn 2016.

Daniel R. Headrick, The Tentacles of Progress. Technology Transfer in the Age of Imperialism, 1850-1940, New York, Oxford 1988.

Dozent: Prof. Dr. Reinhold Bauer

Termin: Donnerstag; 11:30-13:00, M 17.51, ab 17.10.2019; wöchentlich

Inhalt: Das Seminar wird der Entstehung und Entwicklung technischer Netze in den expandierenden Städten des 19. Jahrhunderts nachgehen. Im Zentrum werden dabei die Metropolen der sich industrialisierenden Staaten Europas und Nordamerikas stehen. Die entstehenden technischen Netze wie etwa Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsnetze, Gas- oder Elektrizitätsnetze, Bahn- oder Straßennetze, Telegrafen- oder Telefonnetze waren (und sind) für das Funktionieren der Städte unverzichtbar. Sie werden von Technikhistorikern als „Großtechnische Systeme“ analysiert, die sich in einem komplexen Zusammenspiel von individuellen und kollektiven Akteuren, technischen Elementen und sozialen, kulturellen und rechtlichen Rahmenbedingungen entwickeln. Nicht zuletzt diese in der Regel konfliktgeladenen Prozesse sollen im Seminar in den Blick genommen werden. 

Literatur:

Hughes, Thomas P.: The Evolution of Large Technological Systems, Berlin 1986.

Wolfgang König (Hg.), Propyläen Technikgeschichte, Band 3 und 4, Berlin 1991 und 1992.

Castells, Manuel: The Rise of the Network Society, Cambridge (Mass.) u.a. 2010.

Gießmann, Sebastian: Die Verbundenheit der Dinge. Eine Kulturgeschichte der Netze und Netzwerke, Berlin 2014.

Dozentin: Dr. des. Julia Gül Erdogan

Termin: Dienstag; 09:45-11:15, M 17.22, ab dem 15.10.2019; wöchentlich

Inhalt: Bereits seit den 1950er- und 1960er-Jahren führte der Einsatz von Computertechnologie schrittweise zu gesellschaftlichen Veränderungen. Sowohl in den westlichen Industrienationen als auch in sozialistischen Staaten fanden Computer beim Militär, in Behörden oder Banken Einzug und veränderten dort unter anderem Arbeitsprozesse. Ab Mitte der 1970er Jahre wurde durch die Chip-Technologie auch die private Computernutzung möglich. Damit kamen neue Sozialfiguren auf, wie Computerspieler oder Hacker, sowie neue Kommunikationsformen durch digitale Computernetzwerke. Das Seminar widmet sich dem sozialen und kulturellen Wandel, der durch diese neue Technologie angestoßen wurde. Der Fokus liegt dabei auf der Veränderung des Arbeitsalltags, Techniken der Überwachung bzw. Gegenkontrolle und neuen Formen der Kommunikation in der Bundesrepublik und der DDR. Vergleichend werden die jeweiligen politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen betrachtet, die die Computerisierung der beiden deutschen Teilstaaten prägten.

Literatur:

Schmitt, Martin u. a.: „Digitalgeschichte Deutschlands. Ein Forschungsbericht“. Technikgeschichte 83/1 (2016), S. 33–70.

Frank Bösch (Hrsg.): Wege in die digitale Gesellschaft – Computernutzung in der Bundesrepublik, 1955-1990, Göttingen 2018.

Jürgen Danyel, Annette Schuhmann, Jan-Holger Kirsch (Hg.): Computerisierung und Informationsgesellschaft,

Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History, Online-Ausgabe, 9 (2012), H. 2,
https://zeithistorische-forschungen.de/2-2012

 

Dozentin: Carina Cliese MA

Termin: Montag; 15:45-17:15, M11.91, ab dem 21.10.2019; wöchentlich

Inhalt: Obwohl Japan und Deutschland sich in vielen Dingen grundlegend unterscheiden, lassen sich jedoch auch Gemeinsamkeiten feststellen wie beispielsweise, dass es beiden Ländern nach dem Zweiten Weltkrieg und der US-amerikanischen Besatzungszeit gelang, technologisch, wirtschaftlich und wissenschaftlich in die Weltspitze auf-zusteigen, wenn auch zeitlich versetzt. Die Strukturkrise der BRD in den 1970er Jahren und der Strukturwandel in Japan seit 1990 weisen zudem in beiden Ländern darauf hin, dass das Wachstum allerdings Grenzen hat. Ziel des Seminars soll es sein, die Ursachen, den Verlauf und die Folgen dieser Strukturkrisen zu diskutieren sowie Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufzudecken, da sich oftmals erst im Vergleich entscheidende Faktoren herauskristallisieren. Wir wenden uns dabei - auch in Bezug auf Japan - der Zeit ab 1960 zu, denn Japans strukturelle Krise ab den 1990er Jahren ist nicht begreifbar ohne die Kenntnis der Erfolgsbedingungen der in den 1960/1970er Jahren aufstrebenden Wirtschaftsmacht. Zudem ist die Strukturkrise in der BRD unter anderem mit dem Aufstieg dieses neuen, starken Konkurrenten aus Fernost gekoppelt. Es soll dabei auch der Frage nachgegangen werden, wie der in beiden Ländern stattfindende Strukturwandel in längerfristige Entwicklungen einzuordnen ist und interpretiert werden kann. Um diesem Ziel näher zu kommen, müssen neben den wirtschaftlichen auch die techni-schen, politischen, kulturellen und sozialen Rahmenbe-dingungen in den Blick genommen werden, weshalb eine interdisziplinäre Zusammenarbeit angestrebt wird.

Dozenten: Dr. des. Julia Gül Erdogan, Dipl. Ing.(FH) Peter Müller

Termin: Mittwoch; 11:30-13:00, V 9.12, ab dem 16.10.2019; wöchentlich

Inhalt: Technische Innovationen sind an gesellschaftliche und historische Bedingungen geknüpft. Gleichzeitig gestalten technische Entwicklungen auch ihr kulturelles Umfeld. Damit wird Technik zu einem zentralen kultur- und geschichtsprägenden Faktor.
Um die Geschichte von Technik und Technikwandel zu verstehen, stellen wir Ingenieurinnen und Ingenieure als wichtige Träger technologischer Innovationen in den Mittelpunkt des Seminars und untersuchen die Geschichte des Ingenieurberufs vom Mittelalter bis heute.
Die Veranstaltung richtet sich sowohl an angehende Ingenieurinnen und Ingenieure, die sich mit der Geschichte und den Problemen ihrer Profession auseinandersetzen möchten, als auch an Studierende der Geschichte, die sich für die historische Bedeutung von Technik und deren zentrale Akteure interessieren.

Literatur:

Walter Kaiser, Wolfgang König (Hg.): Geschichte des In-genieurs. Ein Beruf in sechs Jahrtausenden, München u. Wien 2006.

Reinhold Bauer: Gescheiterte Innovationen. Fehlschläge und technologischer Wandel, Frankfurt a. M., New York 2006.

 

 

Dozentin: Dr. Julia Zons

Termin: Dienstag; 11:30-13:00, M17.22, ab dem 15.10.2019; wöchentlich

Inhalt: Historische Objekte haben nicht nur eine Geschichte, sondern erzählen auch Geschichten. Ausgehend von konkreten technischen Artefakten versuchen wir in dem Seminar der Wirkungsgeschichte, d.h. der Einbettung der Objekte in gesellschaftliche, politische, ökonomische und diskursive Zusammenhänge, nachzuspüren. Dazu nehmen wir nicht nur verschiedene technische Objekte als Erkenntnisquellen aus unterschiedlichen theoretischen Perspektiven unter die Lupe, sondern schrauben buchstäblich an ihnen herum, denn: In technischen Objekten steckt freilich viel mehr, als nur Technik, und gerade das zeigt sich oft erst beim Öffnen einer ‚black box‘. Ziel des Seminars ist es dementsprechend, mit Hilfe verschiedener kulturwissenschaftlich orientierter Methoden und Theorien der Technik- und Wissenschaftsgeschichte, Objekte als Geschichtenerzähler zu Wort kommen zu lassen: Welches Wissen ist in sie eingeschrieben? Welche wissenschaftlichen Fragen und Erkenntnisse ihrer Zeit manifestieren sich in ihnen? Welche Akteur-Netzwerke werden rekrutiert? Was erzählen sie über Arbeits- und Produktionsprozesse? Wie wurden sie rezipiert und benutzt – wie wurde über sie gesprochen? Welche Phantasien, Utopien und Dystopien brachten sie hervor und welche Gefühle lösten sie aus? Und nicht zuletzt: Wie sind historische Objekte in Sammlungen integriert, wie sind sie vertextet, wie werden sie didaktisch vermittelt und welchen Quellenwert haben sie für die heutige Forschung?

Literatur:

Die Texte für die Seminarsitzungen werden bei Ilias zur Verfügung gestellt. Einen ersten Einblick erhalten Sie z.B. bei: Cremer, Annette Caroline / Mulsow, Martin (Hgg.): Ob-jekte als Quellen der historischen Kulturwissenschaften. Stand und Perspektiven der Forschung (= Ding, Materiali-tät, Geschichte; Bd. 2), Köln / Weimar / Wien: Böhlau 2017.

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