Abteilung Alte Geschichte, Lehre/Studium

Exkursionen

Die Jahresexkursionen der Abteilung Alte Geschichte und die Limesexkursionen.

Archiv der Exkursionen der Abteilung Alte Geschichte

Die Abteilung Alte Geschichte veranstaltet in der Regel einmal im Jahr, meist über die Pfingstferien, eine große Exkursion. Diese von Studenten mitorganisierten Exkursionen haben sich zum Ziel gesetzt, im Rahmen eines vorbereitenden Blockseminars und der Referate vor Ort eine Landschaft der antiken Welt umfassend zu erforschen und zu erfahren. Im folgenden präsentieren wir die Exkursionen der vergangenen Jahre in einem kurzen Bericht. Wenn Sie Interesse an einer Teilnahme haben, achten Sie bitte jeweils im Dezember auf die Aushänge oder sprechen Sie die Lehrenden der Alten Geschichte an.

Limesexkursionen

Exkursion im Sommersemester

In jedem Sommersemester (zumeist an einem Wochenende im Juni) veranstaltet die Abteilung Alte Geschichte die mittlerweile schon traditionelle Exkursion an den raetischen Limes. Die zweitägige Exkursion führt zu verschiedenen Zielen am einstigen römischen Limes in Baden-Württemberg und Bayern. Dabei kann der in der Prüfungsordnung für Geschichte vorgeschriebene Exkursionsschein erworben werden. Die Anmeldefrist beginnt immer am Anfang der Vorlesungszeit des jeweiligen Sommersemesters.

Südgallien – eine antike Kontaktzone von der griechischen Kolonisation bis in die Spätantike

05. bis 15. Juni 2019

„Das Schönste bei weitem war die Provence, das müßten sie einmal tun.“

Dieser von Rainer Maria Rilke 1911 formulierten Aufforderung folgten am 05. Juni 2019 neunzehn Studierende unter der Leitung von Prof. Dr. Peter Scholz und Dr. Jonas Scherr, indem sie die zehntägige Reise nach Südfrankreich im Rahmen der Althistorischen Exkursion antraten. Schwerpunkt dieser Exkursion war die Entwicklung des südgallischen Raumes von der Gründung Massalias in archaischer bis zu den Auswirkungen innerer und äußerer Machtkämpfe in spätantiker Zeit.

Bereits während des Vorbereitungsseminars, indem alle mitreisenden Studierende im Vorfeld der Exkursion überblicksmäßig über alle Themen, denen wir uns vor Ort vertieft widmen würden, referierten, stieg die Vorfreude auf die Sehenswürdigkeiten, das wunderschöne Land und nicht zuletzt das gute Essen sowie den wunderbaren Wein. 

„Ich sehnte Lyon herbei (…). (…) Wann kam Lyon? (…) Nebel und Kälte strömten herein. ´Nous voilà´, sagte er, und kramte seine Zeitungen zusammen. Wir waren in Lyon.“

Nach der Landung in Lyon und dem Verfrachten des schweren Reisegepäcks folgte am Abend des 5. Juni ein langer Spaziergang durch Straßen und Gässchen, der von einem Exkurs Tobi Stohrers zu Lyons Aquädukten und der äußerlichen Besichtigung der Notre-Dame de Fourvière gekrönt wurde.

Frisch gestärkt trat die Reisegruppe am nächsten Morgen den Aufstieg zum gallorömischen Theater an. Im Theater und im benachbarten Odeon veranschaulichte uns Amrei Kienle die verschiedenen Aspekte und Funktionen eines römischen Theaters und stellte dabei Besonderheiten eines Theaters im gallischen Raum heraus; auffällig hierbei – und diese Auffälligkeit sollte sich bei einer Reihe von Theatern als gallisches Spezifikum herausstellen – sind gesonderte Sitzreihen für lokale Amtsträger, die dem Zuschauerraum vorgelagert sind.

Danach besuchte die Gruppe das nebenan gelegene Musée gallo-romain, das beeindruckend aufbereitet einen wunderbaren Überblick über Lyons Stadtgeschichte in römischer Zeit gab. Simon Find stellte hier die Tabula Claudiana vor, eine Bronzetafel, auf der eine Rede Kaiser Claudius´ vor dem römischen Senat festgehalten ist; der Inhalt der Rede vermittelte uns einen Einblick in das Beziehungsgeflecht römischer und gallischer Personen und den Status der Romanisierung im Jahr 48 n. Chr. 

Nach dem Besuch des Museums und dem folgenden Abstieg des Hügels referierte Magali Argaud vor den Toren des Amphitheaters und zeigte dabei dessen Funktionen in Verbindung mit der kaiserlichen Repräsentation im südgallischen Raum auf. Den Tag beschloss ein Impulsreferat von Michael Feindert und Florian Groll am Gros Caillou, einem bekannten Wahrzeichen Lyons; dies ermöglichte einen letzten Blick auf die Stadt, die wir am nächsten Morgen gen Vienne verlassen haben. Den Abend ließen wir zu den Klängen von Lyons Nachtleben am Ufer der Saône ausklingen. 

„Das Rhôneufer roch nach Heu und nach Schnee (…) und die Luft über Vienne, der alten, überrundeten, wirtschaftlich zurückgebliebenen Rivalin von Lyon, war schon südlich-römisch, und überall sah und spürte man die Hinterlassenschaften des antiken Weltreichs, die Vienne noch heute seine Größe gab (…).“

Am Morgen des 7. Juni erläuterte Pascal Oswald in Vienne Einiges zum südgallischen Raum in spätantiker Zeit. Anschließend führte uns Constantin Groth durch die Stadt, wobei wir zunächst Ausführungen zu einem Tempel, der Livia und Augustus geweiht war, von Magali Argaud erhielten und hiernach Amrei Kienles Ausführungen zum römischen Theater der Stadt lauschten.

Des Weiteren führte uns unser Spaziergang noch durch das Musée des beaux-arts et d´archéologie und das Musée archéologique – Eglise Saint – Pierre.  

Nachmittags spielte sich der referierende Zweispänner Constantin Groth und Cindy Müller, der sich bereits im Vorfeld mit dem städtischen Wohnen und Leben in der Gallia Narbonnensis beschäftigte, auf der Ausgrabungsstätte in Saint-Romain-en-Gal die Bälle zu, während sie uns nacheinander verschiedene Wohnhäuser und Thermen präsentierten.

Abends erreichten wir erschöpft und hungrig die Stadt Orange, in der wir folgend drei Mal nächtigen sollten. Zusammengetrommelt von den Moderatoren unseres businternen Radio Troubadix fanden wir uns schließlich zusammen und ließen gemeinsam den lauen Sommerabend bei einer köstlichen Pizzaverköstigung ausklingen.

Dementsprechend tiefenentspannt lauschten wir den Ausführungen der letzten Referenten des Vortages am Morgen des 8. Juni auf der Ausgrabungsstätte in Vaison-la-Romain. Constantin Groth arbeitete mit uns souverän Raum nach Raum in Häusern mit melodisch klingenden Namen wie Maison du Buste d´Argent oder Maison du Dauphin ab, Cindy Müller gab ebenso besonnen ihren Teil zu den Thermen bei. Idealerweise konnten wir hiernach der Hitze entfliehen, indem wir uns die Exponate des Musée archéologique Théo Desplans zu Gemüte führten. Unsere Mittagspause verbrachten wir im römischen Theater, das Amrei Kienle vorstellte.

Die anschließende Busfahrt brachte uns nach Orange; thematisch knüpften wir sogleich mit einer Besichtigung des Theaters an. Diese sollte sich als eines der Highlights der Exkursion erweisen. Das Theater von Orange, das im 1. Jh. v. Chr. entstanden ist, beeindruckt als eines der besterhaltenen römischen Theater der Welt zunächst durch seine gewaltigen Ausmaße. Amrei Kienle stellte in bewährte Manier eingangs das Theater vor und erläuterte an Einzelbeispielen wie etwa einer auf einer Sitzreihe erhaltenen Inschrift soziale Strukturen während eines Theaterbesuchs. Des Weiteren überwältigt die grandiose Akustik, die wir genussvoll austesten konnten, indem zahlreiche Studierende Reden und Gedichte ähnlich der antiken Redesituation vortrugen; selbst in den obersten Sitzreihen konnten wir die Beiträge gut verstehen. Letztendlich bleibt der Besuch des Theaters für uns ebenso eindrücklich, wie es bereits Rilke beschrieben hat: „Das war im Theater zu Orange. Ohne recht aufzusehen, nur im Bewußtsein des rustiken Bruchs, der jetzt seine Fassade ausmacht, war ich (…) eingetreten. Ich befand mich zwischen liegenden Säulenkörpern und kleinen Altea- Bäumen, aber sie verdeckten mir nur einen Augenblick die offene Muschel des Zuschauerhangs, die dalag, geteilt von den Schatten des Nachmittags, wie eine riesige konkave Sonnenuhr. Ich ging rasch auf sie zu. Ich fühlte, zwischen den Sitzreihen aufsteigend, wie ich abnahm in dieser Umgebung.“

Auf dem Weg zum nächsten Programmpunkt erläuterte Constantin Groth mit Blick auf das antike Forum dessen Ausdehnung. Ebenso einzigartig wie das Theater war auch die Größe und der Erhaltungszustand der römischen Katasterpläne aus Orange, die wir hiernach im Musée d´art et d´histoire betrachten konnten. Fabienne Füß und Simon Find zeigten gemeinsam anhand des fragmentarisch erhaltenen Katasterplans die Funktion römischen Vermessungswesens auf.

Im Anschluss an den Museumsbesuch traten wir – gestärkt durch eine wohltuende Portion Eis – den Spaziergang durch die Stadt an, dessen Endpunkt der monumentale Bogen von Orange war. Hier erklärte David Eibeck nach einer allgemeinen Einführung nacheinander Inhalt und Gestaltung der verschiedenen Reliefs; gängige bildliche Darstellung waren oftmals Szenen, die besiegte und romanisierte Gallier darstellten.

„(Avigon) │Die Stadt blieb mir wunderbar vom ersten Moment bis zum letzten Rückblick aus dem pariser Schnellzug.“

Unser morgendliches Programm begannen wir am 9. Juni im Musée lapidaire in Avignon. Dem Museumsbesuch folgte ein Gang durch die Stadt zur bekannten avignonesischen Brücke mit einem Zwischenstopp am Papstpalast.

Dem Besuch in Avignon folgte ein weiteres Highlight unserer Reise: der Besuch der antiken Stadt Glanum. Die langgezogene Ausgrabungsstätte erstreckt sich zwischen den bewaldeten Ausläufern der Alpillen; in keltischer Zeit gegründet, errichteten die Griechen im Laufe des 3. Jahrhunderts v. Chr. dort ein Handelszentrum. In augusteischer Zeit wurden einige Monumentalgebäude wie Thermen und Tempel gebaut. Die Verschmelzung dieser unterschiedlichen kulturellen Einflüsse konnte bereits zu Beginn von den Referenten aufgezeigt werden: Magnus Isenmann konnte anhand der Replik einer sitzenden Reiterstatue Eigenheiten der keltischen Kultur erläutern. Hiernach führte David Eibeck unsere Gruppe durch die Ausgrabungsstätte und führte in die Geschichte Glanums ein. Ergänzt wurde er dabei von Magnus Isenmann, Constantin Groth und Cindy Müller, die besonders ausführlich eine architektonisch gefasste Quelle, das Forum und die Thermen erläuterten. An der Ausgrabungsstätte beeindruckten uns nicht nur die archäologischen Hinterlassenschaften, sondern auch die hervorragende Aufbereitung der Ausgrabungsstätte, die es erlaubte, dass man  jede Entwicklungsphase der Stadt leicht nachvollziehen konnte. Schließlich stellte David Eibeck noch den vor den Toren der Ausgrabungsstätte liegenden Triumphbogen und das benachbarte Mausoleum der Iulier vor.

Am Morgen des 10. Juni schlugen wir uns zusammen mit einer Vielzahl an Touristen zum Aquädukt Pont du Gard durch. Dort erläuterte Tobi Stohrer Allgemeines zur Infrastruktur in römischer Zeit, während Denisa Indrei uns den Aufbau eines Äquadukts anhand des Pont du Gard erklärte.

Unsere knapp bemessene Zeit ließ nur noch ein schnelles Gruppenfoto zu, danach traten wir die Busfahrt nach Nîmes an, in dem ein Stadtfest die Straßen in spanisch anmutende Spielwiesen verwandelte. Wir bahnten uns den Weg durch die Massen zum Mittelpunkt der antiken Stadt, einem augusteischen Podiumstempel namens Maison Carrée, der es gut erhalten und fein restauriert ermöglicht, einen Einblick in das antike Stadtgeschehen zu erhalten. Dort erklärte uns Janine Krieg die Umstände, Aufbau und Funktion des Baus.

Danach kamen wir in den Genuss, einen von der Stadt Nîmes produzierten Spielfilm zur Geschichte der Stadt zu sehen. Der Film „Nemausus“ führte uns – zwar nicht ganz frei von gängigen populärwissenschaftlichen Klischees – die Entwicklung Nîmes vom keltischen Oppidum zur römischen Stadt in einem Zeitraum von 55 v. Chr. bis 90 n. Chr. vor Augen und schaffte es durch seine unterhaltsame, aber auch mit Liebe für das Detail ausgearbeitete filmische Erzählung eine Diskussion in unserer Gruppe über Historienfilme zu entfachen, die wir später im Schatten des Tempels führten.

Herr Scholz untermalte anschließend mit einer Lesung von Moritz Hartmanns Ausführungen zu seinem Besuch in Nîmes unsere Mittagspause; am 27. Mai 1851 schreibt der österreichische Schriftsteller: „Dieser Tempel ist gewiß eines der herrlichsten von allen Bauwerken, die uns die Alten gelassen, um die Welt zu jahrtausend langer Bewunderung zu zwingen. Das vollendete Ebenmaß, das Leben in jedem Theilchen, die Kleinheit der Mittel, um großen Eindruck hervorzubringen, die Unsichtbarkeit jeder verstimmenden Absicht, und endlich die heitere Ruhe, ich möchte sagen, das Lächeln, das über das Ganze ausgegossen, machen dieses kleine Gebäude […] zu einem vollendeten, abgeschlossenen Werke des Genies.

Im Anschluss erklommen wir den Berg, der uns zum Tour Magne führte; jener Turm bestand bereits in gallischer Zeit und wurde in römischer Zeit von 18 auf 36 Meter ausgebaut. Selbst nach einem äußerlichen Rundgang, einer Besichtigung des Inneren und dem Besteigen des Turms und den Ausführungen von Janine Krieg zu aktuellen Forschungsdebatten konnten wir die endgültige Funktion des die Stadt überblickenden Turmes nicht ergründen; gleichwohl war der Besuch einmalig, da der Blick von der Spitze des Turmes als grandios bezeichnet werden kann.

Unser Abstieg führte uns an einem antiken Becken zur Wasserverteilung vorbei; diese Gelegenheit nutzten Tobi Stohrer und Denisa Indrei zur vertieften Erläuterung der Organisation des Trinkwassersystems. Ein weiterer Spaziergang führte uns die Schönheit von Nîmes vor Augen, das mit Parks, Brunnen und Wasserbecken zu verzaubern vermochte. Nach einem Besuch einer antiken Bibliothek, die traditionell als Diana – Heiligtum ausgewiesen wird, referierte Amrei Kienle vor der antiken Arena.

Die Zeit, die wir an diesem vollgepackten Tag nachdrücklich einteilen mussten, machte uns bei unserem letzten Programmpunkt, dem Besuch des Musée de la Romanité, einen Strich durch die Rechnung; kaum dreißig Minuten hatten wir, um die wunderbar aufbereitete Ausstellung zu genießen. Obgleich dieser Besuch durch den Zeitmangel enttäuschend war, kann als schöne Konsequenz nur folgen: wir kehren zurück!

Ungefähr zur Halbzeit der Exkursion war es Zeit für einen radikalen Themenwechsel; am 11. Juni stellten Max Schmidhäuser und Johanna Liebhäuser die Ausgrabungsstätte La Graufesenque und damit den größten antiken Produktionsort für Keramik vor. Im Musée de Millau et des Grands Causses, indem die zur Herstellung benötigten Mittel und deren Erzeugnissen ausgestellt werden, konnte Max Schmidhäuser selbst den Chemie – Unerfahrensten die Herstellungsprozesse um Formen, Lasieren und Brennen von Keramik begreifbar machen. Die Kombination aus Referat und den Exponaten des Museums gab der Reisegruppe einen Einblick in die wirtschaftlichen Aspekte des antiken Alltags. Den Tag beschloss ein erschöpftes, aber geselliges Beisammensein vor den Toren Montpelliers.

„Aber wie kommt man nach Arles, in die Königsstadt, die Hauptstadt eines kleinen, aber glücklichen Imperiums, das vor tausend Jahren einen Glanz entfaltete, von dem heute noch der Stein leuchtet?“

Müde und dementsprechend still verlief am 12. Juni die morgendliche Fahrt nach Arles. Glücklicherweise vermochten es Ulrike Lämmers Tatkraft und Amrei Kienles Enthusiasmus die Gemüter aufzuwecken, indem sie zunächst die antike Römerstraße und hiernach das Amphitheater von Arles vorstellten. Anschließend versuchte uns Constantin Groth mithilfe weniger verbliebener Reste das Forum vor Augen zu führen. Nachfolgend konnten wir die sogenannte Constantinstherme besuchen, durch die uns Cindy Müller souverän führte.

Unser Besuch in Arles wurde von einem wunderbaren Spaziergang an der Rhone gekrönt, der uns zum Musée départemental Arles antique führte. Höhepunkt der Ausstellung war das Referat Ulrikes Lämmers, die Bildprogramme mehrerer Sarkophagen aus unterschiedlichen Zeitstufen erklärte und uns so den sich langsam vollziehenden Prozess der Christianisierung, der auch in Südgallien seit der Mitte des 4. Jahrhunderts einsetzte, verdeutlchte.

Der Nachmittag begann mit Magnus Isenmanns Ausführungen zum keltischen Oppidum in Roquepertuse; das Referat begann mit Erläuterungen zu den Fundstücken, die heutzutage im Tour Musée in Velaux ausgestellt werden. Der Referent vermittelte uns anhand aktueller Forschungsdebatten einen Einblick in die keltische Lebenswelt, obgleich diese Kultur aufgrund der wenigen Funde und unsicheren Deutungen schwer zu fassen ist.

Anschließend besichtigten wir die Überreste eines Oppidums, das auf einem nahegelegen Hügel lag, und versuchten uns das dortige Heiligtum der Salluvier vor Augen zu führen. Die Funde aus Roquepertuse stammen aus dem 3. Jh. v. Chr., wobei die Bekleidung der dort aufgefundenen Reiterstatuen deutlich früher datiert werden kann. Die Stadt wurde – nach aktueller Forschungsmeinung – spätestens 124 v. Chr. vollständig zerstört.

„Ich hatte von Marseille ein ganz einziges und eigenes Bild, das sich seit dem Julius Cäsar meiner Schuljahre festgesetzt hatte. Ich liebte die alten Phocäer, die aus Tyrannenhaß die schönen Küsten Asiens verließen und neue Sitze suchten, und endlich, von Korsika und Sardinien vertrieben, hier die mächtige Massilia gründeten.“

Marseille begrüßte uns am 13. Juni mit strahlendem Sonnenschein. Von diesem bekamen wir zunächst nicht viel mit, da wir die ersten Stunden unseres Besuchs in der Krypta der Abtei Saint Victor verbrachten. Pia Preu erläuterte uns die Entstehungsgeschichte der im 5. Jahrhundert erbauten Abtei, kontextualisierte und diskutierte intensiv die Quellen, die uns über deren Entstehung unterrichten. Anschließend wanderten wir zum antiken Hafenbecken, auf dem sich mittlerweile in Teilen ein Einkaufszentrum befindet. Von Baustellenlärm geplagt, rief uns Michael Feindert die Geschichte Massilias, die er bereits im Vorbereitungsseminar skizziert hatte, in Erinnerung; der Referent zeichnete die Entwicklung der Stadt nach und hob dabei die große Bedeutung der massiliotischen Flotte für die Entwicklung der Stadt hervor.

Nachmittags führte uns Jonas Hannes durch Aix-en-Provence. Zunächst besuchten wir das Musée Granet, indem Magnus Isenmann die archäologische Sammlung vorstellte, die Fundstücke aus Entremont enthielten; dieses Oppidum sollten wir am nächsten Tag aufsuchen.  Durch die Vorstellung der im Museum befindlichen Statuenköpfe und Kriegerstatuen erweiterte sich unser Bild von der keltischen Kultur nachhaltig. Danach erläuterte uns Jonas Hannes die Entwicklung der Stadt bei einem Spaziergang zur Kathedrale. Pia Preu übernahm anschließend das Zepter der Referenten und beleuchtete Bau und Funktion des dortigen frühchristlichen Baptisteriums. Daran schloss sich Pascal Oswalds Referat zum südgallischen Raum in spätantiker Zeit an; sein Beitrag markierte den fachlichen Schlusspunkt an diesem Tag, so dass wir am frühen Abend die Möglichkeit erhielten, die schöne Stadt noch eigenständig zu erkunden.

Am 14. Juni, seines Zeichens unserem letzten vollständigen Tag in Südfrankreich, hatten wir ein umfangreiches Programm zu meistern: zunächst besuchten wir das Musée d´histoire de Marseille. Dort ergriff Florian Groll das Wort und erläuterte anhand eines Modells den Aufbau der Stadt in griechischer und in römischer Zeit. Später stellte er uns mehrere griechische Inschriften vor. Michael Feindert knüpfte durch Erläuterungen zu den Funden eines massiliotischen Schiffes an sein Referat vom Vortag an.

Zudem konnten wir endlich das zerstörte keltische Oppidum in Entremont besichtigen – die dortigen Funde hatten wir bereits in Aix-en-Provence gesehen. Magnus Isenmann führte uns, obwohl wir wenig Zeit mitbrachten, souverän durch das zerstörte Entremont. Das Oppidum entstand vermutlich im 3. Jh. v. Chr. und diente den Salluviern als religiöses und wirtschaftliches Zentrum. 123 v. Chr. wird das Oppidum von römischen Truppen zerstört.  

Unser Bus brachte uns nun nach Fréjus. Max Schmidhäuser brachte der zeitweise windgebeutelten Reisetruppe die Bedingungen der antiken Schifffahrt nahe. Pia Preu stellte ein weiteres frühchristliches Baptisterium vor und Amrei Kienle ergriff zum letzten Mal bei der Vorstellung der Arena das Wort. Abschließend besichtigten wir einen Teil eines antiken Aquädukts, an dem Denisa Indrei referierte. Die nun sichtlich geschaffte Gruppe bestieg den Bus, der uns nach Nizza brachte.

Der letzte Abend war angebrochen und damit die letzte Gelegenheit, in ganzer Gruppe gemütlich zu essen und zu feiern. Herr Scholz griff in seiner Abschlussrede denkwürdige Momente der Exkursion auf und rundete den Abend im Restaurant ab; danach ließen wir den die Exkursion an der Mole von Nizza mit Blick auf das Mittelmeer ausklingen lassen.

Schweren Herzens machten wir uns am Morgen des 15. Juni auf nach La Turbie, einer kleinen Gemeinde, die sich in den Bergen oberhalb von Monaco befindet. Der nebelverhangene Ort verzauberte uns und offenbarte nach und nach – je weiter wir nach oben stiegen – Teile des riesigen römischen Siegerdenkmals, dessen Reste auf dem Gipfel thronen. Das Denkmal entstand im Jahr 7/6 v. Chr. und wurde von Augusuts anläßlich seiner Siege über verschiedene Alpenstämme errichtet. Das letzte Referat der Exkursion meisterten Magali Argaud, Jonas Hannes und Janine Krieg im Verbund und bescherten uns allen damit einen gelungenen fachlichen Abschluss.

Zehn Tage lagen nun hinter uns. Zehn Tage voller denkwürdiger Momente, lehrreicher Beiträge, wunderschöner Ausblicke und einer kaum zählbaren Anzahl an Baguettes. Was bleibt, sind viele nachhaltige Eindrücke – wie etwa die Hörproben im Theater von Orange –, eine tiefe Erweiterung unseres Wissens und – last but not least – eine zusammengeschweißte, grandiose Exkursionsgruppe.

Unser Dank gilt einerseits dem Organisationtrio bestehend aus Professor Scholz, Dr. Scherr und Magali Argaud, die diese Reise hervorragend organisatorisch und inhaltlich vorbereitet und geleitet haben, und andererseits der Vereinigung von Freunden der Universität Stuttgart für ihre großzügige finanzielle Unterstützung.

Mit herzlichem Dank
Johanna Liebhäuser

Danksagung

Die großen Exkursionen sind nur noch möglich, weil sie von einigen Institutionen regelmäßige und großzügige finanzielle Unterstützung erfahren. Zu den ständigen Förderern zählen vor allem der Verein der Freunde des Historischen Instituts e. V. (dem Sie für einen studentischen Jahresbeitrag von 10 Euro beitreten können, wozu wir Sie ausdrücklich ermuntern), die Stiftung Humanismus Heute und die Vereinigung von Freunden der Universität Stuttgart e. V.

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