Publikationen

Eine Auflistung der jüngsten Veröffentlichungen der Forschungsstelle

Fotos aus Sobibor

Fotos aus Sobibor (c) © Metropol Verlag

Die Niemann-Sammlung zu Holocaust und Nationalsozialismus

Herausgegeben vom Bildungswerk Stanisław Hantz e. V. und der Forschungsstelle Ludwigsburg der Universität Stuttgart

(Ein Link zur Verlagsseite und zum Inhaltsverzeichnis findet Sie am Textende.)

Sobibor: Übersicht über Lager I und das Vorlager im Hintergrund (im Buch S. 154) (c) © United States Holocaust Memorial Museum (USHMM)
Sobibor: Übersicht über Lager I und das Vorlager im Hintergrund (im Buch S. 154). Von einem Wachturm aufgenommene Übersicht über Lager I und das Vorlager im Hintergrund, Frühsommer 1943. Neben der Baracke am linken Bildrand und im Vordergrund zwischen den Brennholz-Stapeln ist jeweils ein jüdischer Zwangsarbeiter zu erkennen. Rechts im Durchgang zwischen den Lagerzäunen patrouillieren zwei Trawniki-Männer, in der Verlängerung der Umzäunung ist das helle Dach des Bahnhofsgebäudes sichtbar. Auf dem freien Platz zwischen Lager I und der rechten Lagerumzäunung existierte während einer früheren Bauphase eine hölzerne Überdachung, unter der sich die Deportierten sammeln mussten. In der Regel hatten die Männer dort zu warten, während Frauen und Kinder zwischen Vorlager und Lager I in die Gaskammern getrieben wurden. Vermutlich sind die in der Bildmitte erkennbaren gestapelten Bauelemente Reste dieser Holzkonstruktion.

„Die kürzlich entdeckte Fotosammlung Johann Niemanns, des einstigen stellvertretenden Lagerkommandanten von Sobibor, stellt einen Quantensprung in der visuellen Überlieferung zum Holocaust im besetzten Polen dar.“ (Martin Cüppers, Forschungsstelle Ludwigsburg der Universität Stuttgart)

Zwischen März 1942 und November 1943 ermordeten die Nationalsozialisten und ihre Helfer unter dem Tarnbegriff „Aktion Reinhard“ insbesondere in den drei Vernichtungslagern Belzec, Sobibor und Treblinka etwa 1,8 Millionen Jüdinnen und Juden. Die Mehrheit der Menschen stammte aus Polen, doch gerade in Sobibor war der Anteil von aus ganz Europa Deportierten besonders hoch. Bislang existierten gerade einmal zwei eher nichtssagende Fotos, die während des Betriebs dieses Todeslagers entstanden waren. Die Niemann-Sammlung vervielfacht nun mit insgesamt 62 Abzügen und 49 unterschiedlichen Motiven sowohl eine visuelle Überlieferung als auch das generelle Wissen zur Entstehungsgeschichte, zur allgemeinen Geographie und zu verschiedenen Bauphasen in Sobibor.

Auf zwei Fotos aus Sobibor ist wahrscheinlich auch Iwan Demjanjuk abgebildet. Der als sogenannter Trawniki weltweit bekannt gewordene Helfer der Nationalsozialisten war am 26. 3. 1943 nach Sobibor versetzt worden. Niemann war auch für dessen Diensteinteilung und seine weitere Ausbildung verantwortlich. Über alle diese nie zuvor gesehenen Bilder hinaus liefert die Sammlung bedeutende historische Erkenntnisse zur Entwicklung von Zuständigkeiten bei der Umsetzung des Massenmords und zur Verantwortung für die nationalsozialistischen Menschheitsverbrechen.

Sobibor: Ein Zug Trawniki, darunter wahrscheinlich Iwan Demjanjuk (im Buch S. 191) (c) © United States Holocaust Memorial Museum (USHMM)
Sobibor: Ein Zug Trawniki im Frühjahr 1943 auf dem Exerzierplatz vor Lager III (im Buch S. 191). Vorne in der Mitte liegend wahrscheinlich Iwan Demjanjuk, stehend außen die beiden Gruppenwachmänner und im Zentrum der Zugwachmann. Im Hintergrund sind die Dächer von zwei zum Mordbereich gehörenden Gebäuden erkennbar. Am linken Bildrand ist offenbar der Giebel der Baracke zu sehen, in der jüdischen Frauen vor ihrer Ermordung die Haare abgeschnitten wurden. Das zweite Dach rechts davon mit einer höheren schornsteinartigen Struktur gehört zum Gebäude der Gaskammern.

„Insgesamt 361 Fotos, darunter zwei komplette Alben und zahlreiche zusätzliche schriftliche Dokumente illustrieren auf einzigartige Weise auch die Biografie eines bis dahin weitgehend unbekannten Akteurs der NS-Verbrechen. Die Sammlung dokumentiert Johann Niemanns Karriere im Nationalsozialismus.“ (Martin Cüppers) Der Malergeselle aus dem ostfriesischen Völlen meldete sich 1934 als SA-Wachmann im Konzentrationslager Esterwegen und wurde später ins KZ Sachsenhausen versetzt. Im Herbst 1939 erfolgte dann seine Verpflichtung zur „Aktion T4“ – ein Tarnbegriff für den Krankenmord. Diesem Massenverbrechen fielen allein in der zentralen Phase von Januar 1940 bis August 1941 mehr als 70 000 Menschen, im Jargon der Nationalsozialisten „unwertes Leben“, zum Opfer. Johann Niemann war in den Tötungszentren Grafeneck, Brandenburg und Bernburg unmittelbar daran beteiligt.

Zwei Jahre später, im Herbst 1941, wurde Niemann von dort nach Belzec kommandiert, um mit wenigen anderen SS-Männern die Voraussetzungen für die Verwirklichung des Holocaust im besetzten Polen zu schaffen. Gemeinsam mit ihnen errichtete er das erste der „Aktion Reinhard“-Lager. Mit Deportationen aus Lublin und Lemberg begann dort am 17. März 1942 die Ermordung der jüdischen Bevölkerung des Generalgouvernements. Von Belzec wurde er schließlich im September 1942 in offenbarer Anerkennung seiner „Verdienste“ zum stellvertretenden Lagerkommandanten von Sobibor befördert, womit er weiterhin an zentraler Stelle am Mordprogramm beteiligt blieb. Aufständische jüdische Gefangene töteten ihn am 14. Oktober 1943 und gaben damit gewissermaßen das Startsignal für die erfolgreiche Häftlingsrevolte.

Sämtliche dieser Karrierestationen sind in Niemanns Sammlung abgebildet. Sein früher Tod erklärt zugleich, dass die Fotos bis heute erhalten geblieben sind. Denn die Belege seines Handelns wurden eben nicht wie in vielen anderen Fällen aus Furcht vor juristischen Ermittlungen gegen die eigene Person nach 1945 beseitigt.

Berlin-Reise: Funktionäre der Kanzlei des Führers mit Niemann (Mitte) auf dem Boulevard „Unter den Linden“ (im Buch S. 237) (c) © United States Holocaust Memorial Museum (USHMM)
Berlin-Reise: Funktionäre der Kanzlei des Führers mit Niemann (Mitte) auf dem Boulevard „Unter den Linden“ (im Buch S. 237). Wahrscheinlich Arnold Oels, der Personalchef der Kanzlei des Führers für die „Aktion Reinhard“- und „T4“-Männer, mit Armschlinge Dietrich Allers, Oels’ direkter Vorgesetzter und Geschäftsführer der Zentraldienststelle in der Berliner Tiergartenstraße 4, mit Schirmmütze Niemann, im Vordergrund mit Brille Werner Blankenburg, der Leiter des Amts II der Kanzlei des Führers, im Gespräch mit Zugwachmann Franz Bienemann (v. l. n. r.).

„Niemanns Fotos und seine Karriere vom Malergesellen bis zum stellvertretenden Lagerkommandanten von Sobibor erhellen nicht zuletzt einen weiteren wichtigen Zusammenhang: Zu Beginn der Massenverbrechen betraten die Nationalsozialisten Neuland, denn solche Zivilisationsbrüche waren nie zuvor realisiert worden. Dabei kam Akteuren unterer Hierarchieebenen eine besondere Bedeutung zu. Initiativfreudige NS-Täter wie Niemann in Belzec wurden mit erstaunlichen Handlungsspielräumen ausgestattet, womit sie dann neue Mordmethoden entwickeln und erproben konnten. Bewährten sich diese in der Praxis, war eine neue Eskalationsstufe erreicht. Die in unserem Verständnis bisher eher dominierende Logik von Befehl und Gehorsam hatte dabei nur eine nachgeordnete Bedeutung.“ (Martin Cüppers)

Sobibor: Johann Niemann zu Pferd auf der Rampe (im Buch S. 180) (c) © United States Holocaust Memorial Museum (USHMM)
Inszenierte Aufnahme Niemanns zu Pferd im Sommer 1943 (im Buch S. 180). Im Hintergrund eine Wohnbaracke der Trawniki. Am unteren Bildrand ist die mit Holz verschalte Kante der Rampe von Sobibor erkennbar, an der die Deportationszüge ankamen. Der Fotograf stellte sich für das Motiv ins Gleisbett. Der Abzug wurde spiegelverkehrt belichtet.

Abgesehen von allen wissenschaftlichen Erkenntnissen, die mit der Niemann-Sammlung gewonnen werden können, bieten die Fotos nicht zuletzt eine äußerst wertvolle Chance, die öffentliche Wahrnehmung der noch immer weit unterrepräsentierten nationalsozialistischen Massenverbrechen der ‚Aktion Reinhard‘ angemessen in der Erinnerungskultur zu verankern.“(Steffen Hänschen)

Die Niemann-Fotos sind auch deshalb einzigartig, wie sie längst nicht nur eine neue Bebilderung der eigentlich mit einem strikten Bilderverbot belegten NS-Massenverbrechen darstellen, sondern selbst Quellen erster Güte für zahlreiche bislang gar nicht bekannt gewesene historische Zusammenhänge sind. Und neben vielfältigen wissenschaftlichen Erkenntnissen bieten die Fotos und bedeutende zusätzliche schriftliche Quellen außerdem die Chance, die in der deutschen wie einer internationalen Erinnerungskultur noch längst nicht ausreichend vertretenen Massenverbrechen der „Euthanasie“ und der „Aktion Reinhard“ endlich angemessener wahrzunehmen.

Mit Erscheinen des Buches am 28. Januar 2020 wurde die gesamte Niemann-Sammlung an das Archiv des United States Holocaust Memorial Museum (USHMM) in Washington übergeben, um zukünftig den Zugang zu diesen unschätzbaren Quellen international bestmöglich zu garantieren.

Online einsehbar sind sämtliche Fotos und schriftliche Quellen dort nunmehr unter:

https://collections.ushmm.org/search/catalog/irn715033#?rsc=207973&cv=0&c=0&m=0&s=0&xywh=-210%2C-86%2C2510%2C1644

Der externe Link zur Verlagsseite lautet:

http://metropol-verlag.de/produkt/fotos-aus-sobibor/

Das Inhaltsverzeichnis zu "Fotos aus Sobibor" einsehen:

PDF - Dokument herunterladen

 

Reihe: Veröffentlichungen der Forschungsstelle Ludwigsburg

Seit 2003 erscheinen in der Reihe Veröffentlichungen der Forschungsstelle Ludwigsburg bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft (WBG) grundlegende und richtungsweisende Monographien, Quelleneditionen und Sammelbände zum Dritten Reich, zu NS-Verbrechen 1939 - 1945 sowie zu deren justizieller und gesellschaftlicher Aufarbeitung. 

Band 29 bis 25

Im Schatten von Auschwitz

Deutsche Massaker an polnischen Zivilisten 1939-1945

Brewing, Daniel

2078 Tage lang übte Deutschland ein brutales Besatzungsregime über sein Nachbarland Polen aus. In der historischen Rückschau erscheint es fast, als habe es in dieser Zeit nur zwei Opfergruppen gegeben: polnische Juden und später deutsche Vertriebene. Tatsächlich aber fielen dem deutschen Terror rund eine Million nicht-jüdischer Polen zum Opfer.

Daniel Brewings innovative Studie rückt – auch international – erstmals die Massaker an den polnischen Zivilisten unter nationalsozialistischer Herrschaft in das Zentrum einer wissenschaftlichen Analyse. Unter Heranziehung zeitgenössischer deutscher wie polnischer Quellen, Berichte und Aussagen von Überlebenden sowie Gerichtsakten werden die komplexen historischen Prozesse ausgeleuchtet, die zu diesen Verbrechen führten. Eine wichtige Darstellung, gerade auch im 25. Jahr des deutsch-polnischen Freundschaftsvertrags.

Erscheinungsjahr: 2016

363 Seiten

 

Die Shoah im Distrikt Krakau

Jüdisches Leben und deutsche Besatzung in Tarnów 1939-1945

Hembera, Melanie

Die Stadt Tarnów in Galizien unweit von Krakau war eines der bedeutendsten Zentren des Judentums in Polen mit einem jüdischen Bevölkerungsanteil von fast 50 Prozent. Das Leben in der wirtschaftlich wie kulturell prosperierenden Gemeinde mit 25.000 Mitgliedern änderte sich mit dem Einmarsch der Wehrmacht im September 1939 schlagartig: Schikanen, Zwangsmaßnahmen und die Zerstörung der Synagogen begannen unmittelbar. Rund 30.000 Juden lebten vor der ersten Deportation im Juni 1942 in Tarnów – bei Kriegsende hatten nur wenige hundert die Shoah überlebt.

Melanie Hembera legt die erste Gesamtdarstellung der ›Judenpolitik‹ in Tarnów 1939 bis 1945 und der als ›Aussiedlungsaktionen‹ getarnten Massentötungen überhaupt vor. Es ist eine exemplarische Studie, die auf einem umfangreichen, vorwiegend unveröffentlichten Quellenkorpus basierend, umfassend aufzeigt, wie eine große, blühende jüdische Gemeinde fast vollständig ausgelöscht wurde.

Erscheinungsjahr: 2016

352 Seiten

 

Heydrichs Ostmärker

Das österreichische Führungspersonal der Sicherheitspolizei und des SD 1939-1945

Gafke, Matthias

Matthias Gafke füllt mit dieser umfassenden Studie zur österreichischen Täterforschung eine Forschungslücke. Er analysiert erstmals repräsentativ 51 Täter der Führungsriege des SS-Polizei-Apparats und bietet so neueste Erkenntnisse für die ›Ostmark‹.

Erscheinungsjahr: 2015

332 Seiten

 

Deutsche Berichte aus dem Osten

Dokumente der Einsatzgruppen in der Sowjetunion. Band III

Mallmann, Klaus-Michael / Angrick, Andrej / Matthäus, Jürgen / Cüppers, Martin (Hrsg.)

Die geheimen Berichte der Einsatzkommandos aus der Sowjetunion, die ›Ereignismeldungen UdSSR‹ und die ›Meldungen aus den besetzten Ostgebieten‹, verzeichnen auf tausenden Schreibmaschinenseiten minutiös die nationalsozialistischen Verbrechen. Sämtliche Berichte seit Anfang 1942 werden hier erstmals mit Kommentar ediert.

Erscheinungsjahr: 2014

892 Seiten

 

Walther Rauff – In deutschen Diensten

Vom Naziverbrecher zum BND-Spion

Martin Cüppers

Walther Rauff war Naziverbrecher, Überzeugungstäter und ein Phantom der deutschen Nachkriegsjustiz. Er geriet ins Visier der Öffentlichkeit, nachdem Anfang des 21. Jhs Akten des MI5 und der CIA über ihn auftauchen. Unter Verwendung vieler neuer Quellen schreibt Martin Cüppers die erste Biographie dieses exemplarischen deutschen Täters.

Erscheinungsjahr: 2013

440 Seiten

 

Band 24 bis 19

Naziverbrechen

Täter, Taten, Bewältigungsversuche

Cüppers, Martin / Matthäus, Jürgen / Angrick, Andrej (Hrsg.)

Der Band legt in großer Breite neueste Positionen der Forschung zum Nationalsozialismus vor – zur Täterforschung, zur Perspektive der Opfer und zu Nachkriegsstrategien im Umgang mit dem Dritten Reich. 20 international renommierte Forscher präsentieren ihre Ergebnisse, von Donald Bloxham und Christopher R. Browning bis Gerhard Paul und Wolfram Pyta.

Erscheinungsjahr: 2013

397 Seiten

 

Deutsche Besatzungsherrschaft in der UdSSR 1941–45

Dokumente der Einsatzgruppen in der Sowjetunion. Band II

Angrick, Andrej / Mallmann, Klaus-Michael / Matthäus, Jürgen / Cüppers, Martin (Hrsg.)

Der Band enthält 200 grundlegende Quellen zum Ostkrieg und den dort verübten Kriegsverbrechen aus allen einschlägigen internationalen Archiven: von Moskau, Kiew und Minsk bis Berlin und zum Militärarchiv Freiburg. Unerlässlich für jeden, der sich mit dem Krieg im Osten, dem Holocaust und mit Genozid beschäftigt.

Erscheinungsjahr: 2013

639 Seiten

 

Finale der Vernichtung

Die Einsatzgruppe H in der Slowakei 1944/45

Šindelárová, Lenka

Im Spätsommer 1944 marschierte die deutsche Wehrmacht in die Slowakei ein; in ihrem Gefolge die neu aufgestellte Einsatzgruppe H. Ihr Auftrag: die „Endlösung der Judenfrage” in der Slowakei zum Abschluss zu bringen. Erstmals schildert Lenka Šindelárová die Geschichte des slowakischen Volksaufstands und die Terrorherrschaft der Nationalsozialisten.

Erscheinungsjahr: 2013

360 Seiten

 

Delhi – Rom – Berlin

Die indische Wahrnehmung von Faschismus und Nationalsozialismus 1922-1939

Framke, Maria

Indien kämpft zwischen den beiden Weltkriegen um seine Unabhängigkeit, während in Europa mit der Errichtung faschistischer Regime ein neues Politikmodell entsteht. Maria Framke zeigt, welche Aspekte dieser Modelle – anstelle des demokratischen Wirtschaftsliberalismus der britischen Besatzungsmacht – in Indien auf Zustimmung stießen.

Erscheinungsjahr: 2013

361 Seiten

 

 

Die »Ereignismeldungen UdSSR« 1941

Dokumente der Einsatzgruppen in der Sowjetunion. Band I

Mallmann, Klaus-Michael / Angrick, Andrej / Matthäus, Jürgen / Cüppers, Martin (Hrsg.)

Fast täglich übermittelten die Einsatzkommandos aus der Sowjetunion geheime Berichte an das Reichssicherheitshauptamt, die ›Ereignismeldungen UdSSR‹ verzeichnen auf 4500 Schreibmaschinenseiten minutiös und in aller Ausführlichkeit die nationalsozialistischen Verbrechen aufgezeichnet wurden. Sämtliche Berichte des Jahres 1941 werden hier erstmals mit Kommentar ediert.

Erscheinungsjahr: 2011

927 Seiten

 

Die Verwissenschaftlichung der »Judenfrage« im Nationalsozialismus

Junginger, Horst

In den 30er und 40er Jahren gaben sich Teile der Wissenschaft dafür her, der antisemitischen Ideologie der Nationalsozialisten eine pseudowissenschaftliche Grundlage zu verschaffen: Die ›Judenforschung‹ etablierte sich. Welche Fachgebiete sich zu diesen Bemühungen missbrauchen ließen, welche sich aktiv daran beteiligten, zeichnet Horst Junginger in seiner brillanten Studie hier erstmals umfassend nach.

Erscheinungsjahr: 2011

480 Seiten

 

Band 18 bis 13

»Ich fühl' mich nicht als Mörder«

Die Integration von NS-Tätern in die Nachkriegsgesellschaft

Ullrich, Christina

Während des Nationalsozialismus waren SS-Führer der mittleren Führungsebene direkt am Holocaust beteiligt. Nach 1945 gelang vielen von ihnen problemlos der Weg zurück in ein ›bürgerliches‹ Leben. Anhand 19 exemplarischer Lebensläufe zeichnet Christina Ullrich ein Bild der Integration und Reetablierung von NS-Verbrechern nach.

2011. 355 S. mit Bibliogr., 14,5 x 22 cm, Fadenh., geb.

 

Geheime Waffenbrüderschaft

Die sicherheitspolizeiliche Zusammenarbeit zwischen Finnland und Deutschland 1933-1944

Silvennoinen, Oula

Das Buch birgt eine Sensation: Ging man bisher vom sauberen Krieg Finnlands gegen den sowjetischen Aggressor aus, so zeigt das Buch erstmals, wie deutsche Einheiten mit finnischer Unterstützung während des Zweiten Weltkrieges ungestört Jagd auf Juden, Partisanen und Kommunisten machen konnten. Organisiert wurden die Exzesse von einem bisher vollkommen unbekannten Sondereinsatzkommando auf finnischem Boden. Das Buch, das in Finnland viel Staub aufwirbelte, wird auch das hiesige Bild vom Krieg im Norden nachhaltig verändern.

Mit einem Vorwort zur deutschen Ausgabe von Klaus-Michael Mallmann. Aus dem Finn. von Klaus und Kaija Reichel.

Erscheinungsjahr: 2010

384 Seiten

 

Die »Endlösung« und das Auswärtige Amt

Das Referat D III der Abteilung Deutschland 1940–1943
Browning, Christopher

Die Aufgaben des Auswärtigen Amtes führten unweigerlich auch zu einer Verstrickung in die europaweite Judenpolitik des Naziregimes. Brownings Studie ist die bisher einzige Monographie, die sich mit dieser Thematik auseinandersetzt. Souverän, präzise und sprachlich gelungen zeichnet er hier das verbrecherische Agieren des Auswärtigen Amtes nach.

Aus dem Engl. von Claudia Kotte. Mit einem Vorwort von Jürgen Matthäus.

Erscheinungsjahr: 2010

320 Seiten

Die Shoah in Belgien

Meinen, Insa

Über vier Jahre hielten die Nationalsozialisten Belgien besetzt. In dieser Zeit deportierten sie tausende Juden von dort nach Auschwitz. Erstmals in der deutschen Geschichtswissenschaft befasst sich die Autorin mit der Durchführung der ›Endlösung‹ in Belgien. Sie benennt die beteiligten deutschen Dienststellen und stellt die Beteiligung der belgischen Behörden und die Reaktionen der Juden dar. Das Buch stützt sich auf bisher unveröffentlichte Quellen aus deutschen, belgischen und französischen Archiven.

Erscheinungsjahr: 2009

254 Seiten

 

 

Die Gestapo nach 1945

Karrieren, Konflikte, Konstruktionen

Mallmann, Klaus-Michael / Angrick, Andrej (Hrsg.)

Die Gestapo verkörpert wie keine andere Organisation das nationalsozialistische Terrorsystem. 1945 war sie als Institution zwar zerschlagen, die meisten ihrer Mitarbeiter aber hatten überlebt. Wie verhielten sie sich in der Nachkriegszeit? Wie ging die deutsche Gesellschaft und Justiz mit ihnen um? Und: wurden die Verbrechen angemessen gesühnt oder mehrheitlich verdrängt? 15 renommierte Autoren untersuchen Themenkreise und exemplarische Einzelschicksale von Gestapo-Angehörigen. So verbindet sich das Reizthema ›Gestapo‹ mit der ebenso öffentliches Interesse weckenden Täterforschung.

Erscheinungsjahr: 2009

368 Seiten

 

Eine Gesellschaft ermittelt gegen sich selbst

Die Geschichte der Zentralen Stelle Ludwigsburg 1958–2008

Weinke, Annette

Die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltung ist diejenige Einrichtung, welche sich innerhalb der Bundesrepublik am kontinuierlichsten und nachhaltigsten der Aufarbeitung von NS-Verbrechen gewidmet hat. Mit den von ihr angestoßenen Strafprozessen hat sie einen zentralen Beitrag zur Herausbildung eines pluralistischen Geschichtsbewusstseins geleistet und dadurch den demokratischen Wandel in Nachkriegsdeutschland befördert. Die Historikerin Annette Weinke schreibt die Geschichte der Zentralen Stelle anlässlich des 50. Gründungstages dieser Institution im Jahr 1958.

Erscheinungsjahr: 2009 (zweite Auflage)

224  Seiten

 

 

Band 12 bis 7

Einsatzgruppen in Polen

Mallmann, Klaus-Michael / Böhler, Jochen / Matthäus, Jürgen

Darstellung und Dokumentation

Gleich nach dem Überfall auf Polen 1939 nahmen die Einsatzgruppen ihr mörderisches Handwerk auf und eliminierten systematisch Juden und Andersdenkende. Bisher war gängige Meinung, dass erst mit dem Krieg gegen die Sowjetunion die Einsatzgruppen konsequent vorgehen konnten. Die Vorgänge in Polen wurden zumeist ignoriert. Erstmals stellen jetzt Klaus-Michael Mallmann, Jochen Böhler und Jürgen Matthäus von der Forschungsstelle Ludwigsburg, dem DHI Warschau und dem United States Holocaust Memorial Museum das Drama in Polen monographisch dar und präsentieren in einem Anhang deutsche und zumeist erstmals auf deutsch vorliegende polnische Quellen.

Erscheinungsjahr: 2008

253 Seiten

 

Der Mufti von Jerusalem und die Nationalsozialisten

Eine politische Biographie Amin el-Husseinis

Gensicke, Klaus

In seinem Kampf um einen Staat für die Palästinenser strebte der Mufti von Jerusalem, Amin el-Husseini, eine fatale Allianz mit den Nationalsozialisten an. Hitler und Himmler empfingen den Mufti in Berlin und nutzten diesen Verbündeten für Ihre Interessen, der Sache der Palästinenser schadete diese Kollaboration allerdings nachdrücklich – bis heute. Eine fesselnde politische Biographie!

Mit einem Vorwort von Matthias Küntzel.

Erscheinungsjahr: 2007

247 Seiten

 

Vichy – Auschwitz

Die »Endlösung der Judenfrage« in Frankreich

Klarsfeld, Serge

Serge Klarsfelds 1983 – 1985 erstmals erschienenes Buch ›Vichy – Auschwitz‹ ist zu einem Denkmal der Geschichtsschreibung geworden und bis heute die wohl beste Monographie zum Holocaust in einem Land. Serge und Beate Klarsfeld haben sich mit ihrem Engagement bleibende Verdienste um die Verfolgung von NS-Verbrechern in Frankreich erworben.

Die vorliegende Ausgabe folgt der deutschen Veröffentlichung von 1988, wurde aber sorgfältig korrigiert, in den Dokumenten durchgesehen und ergänzt und bietet eine aktualisierte Bibliographie auf neuestem Stand.

Aus dem Franz. übers. und mit einem Vorwort vers. von Ahlrich Meyer.

Erscheinungsjahr: 2007 (Neuausgabe)

607 Seiten

 

Judenmord in Zentralpolen

Der Distrikt Radom im Generalgouvernement 1939–1945

Mlynarczyk, Jacek Andrzej

Zwischen 1939 und 1945 ermordeten die Nationalsozialisten rund 380.000 Juden im Distrikt Radom des Generalgouvernements. Erstmals stellt die Studie von Jacek Mlynarczyk ausführlich und detailliert die Shoah im Distrikt Radom dar. Systematisch werden sowohl die Täterperspektive, die Perspektive der jüdischen Opfer wie auch die Beziehungen zwischen Polen und Juden während der gesamten Kriegszeit untersucht. Mlynarczyks Buch füllt ein Desiderat in der deutschen Holocaustforschung.

Erscheinungsjahr: 2008 (zweite Auflage)

408 Seiten

 

Halbmond und Hakenkreuz

Das Dritte Reich, die Araber und Palästina

Mallmann, Klaus-Michael / Cüppers, Martin

Während die Wehrmacht den Zusammenschluss der Afrika- und der Kaukasus-Front in einer Zangenbewegung im Nahen Osten anstrebte, wurden bereits detaillierte Pläne zur Vernichtung der Juden in Palästina ausgearbeitet. Fest einkalkuliert war dabei die Mithilfe der in der Region ansässigen Araber. Die Autoren schreiben die erste Gesamtdarstellung der Beziehungen zwischen dem nationalsozialistischen Deutschland und dem arabischen Nahen Osten, ein Verhältnis, das zwischen rassistischer Ideologie, Politik und Religion genügend Raum für Zündstoff lässt, was in seiner Tragweite bisher kaum erkannt worden ist.

Erscheinungsjahr: 2007 (zweite Auflage)

288 Seiten

 

Deutsche, Juden, Völkermord

Der Holocaust als Geschichte und Gegenwart

Matthäus, Jürgen / Mallmann, Klaus-Michael (Hrsg.)

Der Holocaust und das Verhältnis zwischen Juden und Deutschen wird in diesem Sammelband von 20 der namhaftesten internationalen Holocaust-Spezialisten systematisch beschrieben: Sie untersuchen das Verhältnis von Juden und Deutschen vor dem Holocaust, gehen der Schuld der Täter wie der Situation der Opfer nach und wenden sich in einem vierten Block dem Umgang mit dem Holocaust nach 1945 zu.

Erscheinungsjahr: 2006 (zweite Auflage)

340 Seiten

 

Band 6 bis 1

Die "Endlösung" in Riga

Ausbeutung und Vernichtung 1941–1944

Angrick, Andrej / Klein, Peter

Ghetto, Arbeitslager und Vernichtungslager – in Riga kamen alle Elemente nationalsozialistischer Judenpolitik zum Tragen. Aus ganz Europa wurden Juden mit dem Endziel der Ermordung nach Riga deportiert. Diese erste Gesamtdarstellung behandelt alle Aspekte: Von der Errichtung des Ghettos über den Lageralltag und die Zusammenarbeit mit den lettischen Behörden bis zur Auflösung des Ghettos und den letzten Todesmärschen. An Riga lässt sich die Geschichte der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik in all ihren Facetten aufzeigen wie auch die gesamteuropäische Dimension des Holocaust.

Erscheinungsjahr: 2006

520 Seiten

 

Die Krim unter deutscher Herrschaft 1941–1944

Germanisierungsutopie und Besatzungsrealität

Kunz, Norbert

Die Krim, rund zweieinhalb Jahre von Ende 1941 bis Anfang 1944 unter deutscher Besatzung, sollte zu einem Mustergebiet nationalsozialistischer Herrschaft werden. Der Besatzungsalltag auf dieser ethnisch stark gemischten Halbinsel aber hatte mit deutschen Germanisierungsutopien kaum noch etwas gemein. Umfassend und anschaulich wird hier erstmals die Besatzungswirklichkeit in dieser sowjetischen Region geschildert.

Erscheinungsjahr: 2005

434 Seiten

 

 

Wegbereiter der Shoah

Die Waffen-SS, der Kommandostab Reichsführer-SS und die Judenvernichtung 1939–1945

Cüppers, Martin

Martin Cüppers macht erstmals klar, dass der Kommandostab Reichsführer-SS und die ihm untergeordneten Brigaden der Waffen-SS systematisch und im großen Stil an der Ermordung der europäischen Juden beteiligt waren. Er wirft damit neues Licht auf die Verstrickungen der Waffen-SS in die Verbrechen des Zweiten Weltkrieges.

Erscheinungsjahr: 2005

464 Seiten

 

Genesis des Genozids

Polen 1939–1941

Mallmann, Klaus-Michael / Musial, Bogdan (Hg.)

Der Vernichtungskrieg, so die These dieses Bandes, begann nicht erst mit dem Überfall auf die Sowjetunion. Die Ergebnisse einer deutsch-polnischen Konferenz in Ludwigsburg machen klar: Der Völkermord begann bereits 1939 in Polen. Zwölf Autoren aus Polen und Deutschland weisen nach, wie weit die systematische Vernichtung von Teilen der Zivilbevölkerung bereits in Polen geplant war und umgesetzt wurde.

Erscheinungsjahr: 2004

240 Seiten

 

Karrieren der Gewalt

Nationalsozialistische Täterbiographien

Mallmann, Klaus-Michael / Paul, Gerhard (Hg.)

Die Herausgeber versammeln in diesem Band 23 Portraits von NS-Tätern der zweiten und dritten Ebene. Damit geben sie der Täterforschung erstmals eine gesicherte Grundlage. Darüber hinaus ziehen die beiden Herausgeber in einem umfangreichen Überblick über Fortschritte und Probleme dieser neuen Teildisziplin eine Zwischenbilanz zur Täterforschung.

Erscheinungsjahr: 2013 (dritte Auflage)

282 Seiten

 

Deutscher Osten 1939-1945

Der Weltanschauungskrieg in Photos und Texten

Mallmann, Klaus-Michael / Rieß, Volker / Pyta, Wolfram (Hg.)

Der Osten war Hitlers eigentlicher Kriegsschauplatz. Dort fand der rassenideologisch begründete Weltanschauungs- und Vernichtungskrieg statt. Fragen nach Motivation und Beschaffenheit der Täter sind in jüngster Zeit in das Zentrum der Beschäftigung mit den nationalsozialistischen Verbrechen gerückt. Dieser Band enthält 84 eindrucksvolle, präzise zugeordnete und umfassend kommentierte unretuschierte Photographien sowie Quellentexte und dichte Beschreibungen zum Vernichtungskrieg im Osten, die, wechselseitig aufeinander bezogen, aus einer akteurszentrierten Perspektive einen präzisen Blick ›in die Köpfe‹ der Täter gewähren. Indem die Innensicht der mörderischen Gewalt offen gelegt wird, treten Mentalität und Motive der Täter besonders deutlich zutage.

Erscheinungsjahr: 2003

205 Seiten

 

Zum Seitenanfang