Forschung am Historischen Institut

Forschungsschwerpunkte und -themen der Abteilungen auf einem Blick

Abteilung Alte Geschichte

Leitung: Univ.-Prof. Dr. Peter Scholz

Die Forschungsaktivitäten der Abteilung Alte Geschichte konzentrieren sich auf die Schwerpunkte Geschichte und Kultur der hellenistischen Zeit und der römischen Republik, Bildung und Erziehung in der Antike, Sozialgeschichte der Eliten, Sportgeschichte (insbesondere die Geschichte der Institution des griechischen Gymnasions), Erinnerung in der antiken Historiographie und politischen Kommunikation sowie Historische Geographie der alten Welt.

Forschungsschwerpunkte

Einen neu etablierten Forschungsschwerpunkt bildet die Historische Stimmforschung, bei der in enger Zusammenarbeit mit dem Stuttgarter Lehrstuhl für Bauphysik/Akustik antike Redesituationen in akustisch-visuellen Simulationen rekonstruiert und ausgewertet werden. Ein besonderes Forschungsinteresse gilt dabei der Person des Redners und den ihm abverlangten physischen und stimmlichen Voraussetzungen sowie den sozialen und räumlichen Bedingungen des öffentlichen Redens in der Antike. 

Abteilung Mittlere Geschichte

Leitung: Univ.-Prof. Dr. Mark Mersiowsky

Die Abteilung Mittlere Geschichte deckt in der Forschung das Mittelalter in ganzer Breite ab. Im frühen Mittelalter steht die Karolingerzeit und ihr Urkundenwesen im Fokus, aktuell etwa die „Kanzlei Karls des Großen“ sowie die urkundliche Überlieferung des 9. Jahrhunderts in Deutschland und Österreich im Rahmen der Chartae Latinae Antiquiores. Im hohen Mittelalter beschäftigen wir uns mit der Stauferzeit, hier wird die Edition der Diplome Heinrichs (VII.) für die MGH-Diplomata vorbereitet. Im Spätmittelalter stehen Fragen der Kommunikation und des Schriftgebrauchs, die materiale Kultur, die kulturgeschichtlich ausgerichtete Adels- und Burgengeschichte und die Vergleichende Städtegeschichte im Fokus. Die Edition der ältesten lippischen Rechnungen steht vor dem Abschluss. Räumliche Schwerpunkte liegen in Westfalen, dem Rheinland, Südwestdeutschland, Tirol, Savoyen und dem östlichen Oberitalien.

Die Abteilung legt in diesem Zusammenhang besonderen Wert auf die Historischen Hilfswissenschaften, allen voran Diplomatik und Paläographie, im Speziellen die Erschließung von Urkunden, Rechnungen, Briefen und mittelalterlicher Buchmakulatur. Die theoretische Fundierung der Hilfswissenschaften wird vor allem in der Forschungsgeschichte von Diplomatik und Paläographie sowie dem Themenbereich „Materialität und Überlieferung“ gesucht.

Abteilung Geschichte der Frühen Neuzeit

Leitung: Univ.-Prof. Dr. Joachim Bahlcke

Lehre und Forschung dieser Abteilung haben den Zeitraum zwischen Spätmittelalter und Französischer Revolution zu betreuen. Diese Aufgabe erfüllen die regelmäßig angebotenen Epochenvorlesungen. Darüber hinaus liegen besondere Schwerpunkte in der Sozial- und Verfassungsgeschichte sowie der Bildungs- und Mentalitätsgeschichte des alten Europa. Viele Fragestellungen und Methoden der Frühen Neuzeit lassen sich exemplarisch auf die Regionalgeschichte anwenden. Aus diesem Ansatz wurde in Stuttgart ein langfristig angelegtes Forschungskonzept zur schlesischen Geschichte entwickelt. Daraus ist der Projektbereich Schlesische Geschichte als besondere Forschungseinrichtung hervorgegangen. Inzwischen gilt die Kombination von Früher Neuzeit und schlesischer Geschichte als eine profilbildende Spezialisierung des Historischen Instituts.

Abteilung Neuere Geschichte

Leitung: Univ.-Prof. Dr. Wolfram Pyta

Die Schwerpunkte der Abteilung für Neuere Geschichte liegen zum einen darin, die zentralen politischen Weichenstellungen der europäischen und deutschen Geschichte (Wiener Kongreß; Erster Weltkrieg; Untergang der Weimarer Republik; Holocaust) zu untersuchen. Zum anderen geht es darum, nach den kulturellen Ressourcen politischer Herrschaft zu fragen und zu diesem Zweck systematisch die Imaginationskraft speziell der Literatur für die Stiftung kollektiver Identität in den Blick zu nehmen.

Abteilung Landesgeschichte

Leitung: Univ.-Prof. Dr. Sabine Holtz

Aufgabe der Abteilung Landesgeschichte im Rahmen des Historischen Instituts der Universität Stuttgart ist es, die signifikanten Merkmale in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur des deutschen Südwestens im Kontext der deutschen und europäischen Geschichte herauszuarbeiten.

Landesgeschichte ist dabei von ihrem Selbstverständnis her epochenübergreifend, interdisziplinär und vergleichend angelegt. Unabdingbare Voraussetzung sind methodische Offenheit und Anschlussfähigkeit an aktuelle Wissensdiskurse.

Räumlich legt die Abteilung Landesgeschichte ihren Schwerpunkt auf die Erforschung der Geschichte Südwestdeutschlands und seiner angrenzenden Gebiete, chronologisch umfasst sie die Zeit von der Vor- und Frühgeschichte bis zum 20. Jahrhundert.

Abteilung Geschichte der Naturwissenschaften und Technik

Leitung: Univ.-Prof. Dr. Klaus Hentschel

Die Abteilung für Geschichte der Naturwissenschaften und Technik bietet einen eigenen Bachelorstudiengang zu diesem Fach an. Die Lehre umfaßt das gesamte Gebiet der Naturwissenschafts- und Technikgeschichte von der Antike bis in die Gegenwart. In ihren Forschungsarbeiten konzentriert sich die Abteilung auf die Wissenschaftsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, darunter z.B. Radioaktivitätsforschung bzw. optische Forschungstechnologien, visuelle Wissenschafts- und Technikkulturen; Netzwerke. Dabei werden auch geschlechtergeschichtliche Fragestellungen berücksichtigt.

Abteilung Wirkungsgeschichte der Technik

Leitung: Univ.-Prof. Dr. Reinhold Bauer

Die Abteilung „Wirkungsgeschichte der Technik“ beschäftigt sich mit den historischen Hintergründen und Folgen von Technikgenese- und Technisierungsprozessen.
Sie hinterfragt die spezifischen wirtschaftlichen, sozialen und politischen Konstellationen, die den Umgang mit Technik prägten und wie umgekehrt technische Innovationen die wirtschaftlichen und sozialen Strukturen, das Alltagsleben, die Kultur und das Denken beeinflusst haben. In ihren Forschungsarbeiten konzentriert sich die Abteilung auf Industrialisierungs- und Deindustrialisierungsprozesse, Technisierungsprozesse und deren Auswirkungen auf Produktion, Konsumtion, Arbeit, Alltag und Kultur, Technikgenese- sowie Innovationsprozesses und damit auch die Entstehung technischen Wissens sowie die weitreichenden wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Folgen und die gesellschaftliche Auseinandersetzungen um Technisierungsprozesse und in diesem Zusammenhang auch Gegenbewegungen zur technisierten Moderne."

Heisenberg-Stelle GloBe

Leitung: Dr. Margret Frenz

Im Zentrum der Forschung von Dr. Margret Frenz stehen verflochtene und verbundene Geschichte(n). Diese ‘connected histories’ verbinden nicht nur globale geographische Regionen, ihre spezifischen Charakteristika und historischen Kontexte miteinander, sondern verknüpfen auch verschiedene kulturelle Räume und die dort ausgeübten sozialen Praktiken. Dabei komplementiert Dr. Frenz strukturelle, top-down Ansätze mit persönlichen, bottom-up Perspektiven, um eine multi-perspektivische Rekonstruktion historischer Gegebenheiten zu erreichen.

Dr. Frenz' gegenwärtige Forschung, ‘Globalisierung von unten: Zirkuläre Migration zwischen Südasien und Afrika, ca. 1850-2000’, kurz GloBe, untersucht Migrationen von Südasiat(inn)en nach Afrika, sowie ihre historischen Spuren, die Kontinuitäten und Transformationen ihrer Bewegungen, als auch die Ähnlichkeiten und Differenzen der Migrationen in unterschiedliche afrikanische Länder. In ihrer Forschung unterscheidet Dr. Frenz zwischen verschiedenen Migrationstypen, um ein neues Verständnis der zirkulären Migrationsbewegungen zwischen Südasien und Afrika zu erreichen. Dafür werden Quellen aus Archiven auf drei Kontinenten und die Analyse von oral-history-Interviews verwendet. Damit trägt Dr. Frenz innovative Aspekte zur aktuellen Forschung bei: zum zirkulären Charakter von Migrationsbewegungen; zu intra-imperialen Verbindungen innerhalb der britischen und portugiesischen Kolonialreiche; zu den inter-/trans-imperialen Beziehungen zwischen den britischen und portugiesischen Kolonialreichen und von Mitte des 20. Jahrhunderts an zwischen Kolonialreichen und Nationalstaaten.

Ein Bericht über Dr. Frenz' Forschung ist im Frühlingsheft 2019 der Zeitschrift EUResearch zu finden und kann hier als pdf-Datei heruntergeladen werden.

Kontakt

 

Historisches Institut der Universität Stuttgart - Geschäftsführung

Keplerstr. 17, D-70174 Stuttgart, Sekretariat: Eva Hoffmann M.A., Stockwerk 8a, Raum 8.023